Angsthase

Трусишка

Es ist Sonntagmorgen. Hannes und Anna sind schon lange auf. Den Frühstücktisch haben sie bereits gedeckt. Aber Papa und Mama haben keine Lust aufzustehen.

“Lass uns noch ein bisschen schlafen, ja?“ hat Mama gemurmelt, als Anna sie vorsichtig wecken wollte.

Hannes und Anne langweilen sich.

„Weißt du was? Wir gehen einfach ein bisschen raus!“ schlägt Hannes vor.

Draußen treffen sie Ulli und Ulla, die Zwillinge aus dem Nachbarhaus.

„Was wollen wir spielen?“ fragt Hannes.

„Wir gehen zur Baustelle und bauen uns ein Haus, “ sagt Ulli.

„Das darf man nicht. Da sind ja doch die Bauarbeiter, und die jagen uns weg“, meint Hannes.

„Arbeiter? Heute am Sonntag?“ sagt Ulli spöttisch.

Das stimmt. Am Sonntag ist natürlich niemand auf der Baustelle. Die vier beschließen, sich dort ein wenig umzusehen. Gleich neben dem Schild „Betreten der Baustelle streng verboten“ ist eine Lücke im Bauzaun. Da zwängen sie sich durch.
Da soll wohl ein großes Haus gebaut werden, denn die Baugrube ist ziemlich tief.

„Wie tief ist die wohl?“ fragt Hannes.
„Zehn Meter“, meint Anna. Ihr kommt die Grube sehr, sehr tief vor.
„Zehn Meter? Du spinnst ja!“ ruft Hannes lachend. „ Das sind allerhöchstens drei Meter!“
„Zwei Meter fünfzig!“ schätzt Ulli. „Da kann man ja runterspringen.“

Er hält sich an ein paar dicken Grasbüscheln fest und rutscht vorsichtig hinunter. Er ist selbst überrascht, dass er so gut unten angekommen ist, und brüllt gleich begeistert: „Ganz einfach! Das könnt ihr auch. Los kommt herunter!“
Ulla schaut vorsichtig über den Rand der Grube.

„Sei kein Angsthase!“ schreit Ulli von unten.

Da macht sie es genau wie er. Sie springt hinunter.

„Jetzt ist Hannes dran!“ rufen die beiden in der Grube. „Los, Hannes! Spring, Hannes!“

Nun steht Anna ganz allein oben.
Die drei in der Grube rufen: „Anna, jetzt bist du dran! Los, spring!“
Aber Anna traut sich nicht.
„Angsthase, Angsthase! Schreien die drei in der Grube.
„Ja“, sagt Anna.
„Was heißt , ja´? fragt Ulli erstaunt.
„Ja, ich habe Angst. Ich springe nicht“, sagt Anna.
Die drei in der Grube singen nur noch lauter. „Angsthase, Angsthase!“

Anna ist sauer. «Wenn ihr so doof seid, gehe ich heim!» dronht sie und dreht sich um.
Sie versuchen, an den glatten Wänden hochzuklettern, aber sie rutschen immer wieder ab. Und den Rand der Grube können sie mit ihren Händen nicht erreichen.

„Mann, ich muss heim. Ich muss unbedingt hier raus!“, sagt Hannes.
„Denkst du, wir müssen nicht raus?“ ruft Ulli.
„Glaubst du, wir wollen hier unten bleiben, bis die Bauarbeiter kommen?, sagt auch Ulla.
„Wenn nur Anna nicht weggegangen wäre. Sie könnte unseren Papa holen. Der würde uns raushelfen,“ meint Hannes.
„Wir müssen rufen. Vielleicht hört uns jemand“, sagt Ulli.
Zu dritt rufen sie: „Hallo, hallo!“

Da taucht plötzlich Anna oben am Rand der Grube auf.
„Ihr kommt nicht mehr raus? So was Komisches! Aha, und jetzt braucht ihr den Angsthasen, was?“, sagt Anne.
„War doch nicht so gemeint“, sagt Ulli.
„Los, geh und hol Papa hierher!“ bittet Hannes.
„Nein, ich hole ihn nicht“, sagt Anna.
„So was Gemeines! Nur weil wir „Angsthase“ gerufen haben“, schimpft Ulla.
„Reg euch doch nicht auf! Vorhin habe ich eine Leiter liegen sehn!

Anne schleift die Leiter zur Grube und lässt sie hinunter.
Die drei da unten rücken die Leiter zurecht und steigen einer nach dem andern heraus.
Hannes legt seiner Schwester den Arm um die Schultern. „Anna, du bist ganz, ganz große Klasse!“ sagt er dabei.
Und Ulli und Ulla nicken anerkennend.