Das Christkind

Младенец Христа

In einem kleinen Haus am Waldrand wohnte ein armer Holzfäller mit seiner Frau und seinen beiden Kindern Klaus und Eva.Haus2 Die Geschwister waren brav und fleißig. Klaus half dem Vater bei der schweren Arbeit im Walde, sägte mit ihm zusammen die großen Stämme und schichtete sie auf. Eva nahm der Mutter im Haus viel Arbeit ab.

An einem Winterabend, als es draußen schneite und wehte, saßen die vier in der kleinen Stube. Da pochte es leise ans Fenster, und draußen rief eine feine Kinderstimme:

„Bitte, lasst mich ins warme Haus hinein. Ich bin ein armes, verlassenes Kind und habe nichts zu essen. Wenn ihr mich nicht aufnehmt, werde ich vor Kälte und Hunger bald sterben.“

Da sprangen Klaus und Eva geschwind auf, öffneten die Tür und holten das Kind herein.

„Viel haben wir selbst nicht“, sagten sie, „aber das wenige wollen wir gern mit dir teilen.“

„Komm, wärm dich erst einmal auf“, rief Eva mitleidig.

Das fremde Kind stellte sich an den warmen Ofen und rieb sich die erstarrten Glieder. Dann brachte Eva ihm zu essen, soviel sie hatten, und Klaus sagte: „Du wirst müde sein. Komm, leg dich in mein Bett, ich schlafe heute nacht auf der Bank.“

Da sagte das fremde Kind: „Mein Vater im Himmel wird es euch danken.“

Sie brachten den kleinen Gast in ihr Kämmerlein, legten ihn ins Bett und deckten ihn warm zu.

„Wie gut haben wir es doch! Wir haben unsere warme Stube und ein warmes Bett. Das arme Kind aber hat gar nichts als den Himmel zum Dach und die Erde zum Lager“, meinte Klaus.

Als nun die Eltern zur Ruhe gingen, legten sich Klaus und Eva auch schlafen.

Die Kinder hatten kaum einige Stunden geschlafen, da wachte die kleine Eva auf und weckte leise ihren Bruder: „Klaus, wach auf! Hör doch mal die schöne Musik vor unserem Fenster!“

Da rieb sich Klaus die Augen und lauschte. Draußen vor dem Haus war ein wunderbares Klingen und Singen.

kristkindDie Kinder traten ans Fenster und schauten, was da draußen geschah. Vor dem Haus standen viele Kinder in silbernen Kleidern und hielten goldene Harfen in den Händen. Erstaunt und verwundert starrten Klaus und Eva auf die seltsame Erscheinung. Da legte sich jedem eine Hand auf die Schulter. Sie wandten sich um und sahen das fremde Kind vor sich stehen. Es hatte ein Kleid von funkelndem Gold an und trug auf dem Kopf eine Krone.

„Ich bin das Christkind“, sagte es zu den verwunderten Geschwistern. „Ich wandere in der Welt umher und bringe guten Kindern Glück und Freude. Ihr habt mich diese Nacht beherbergt, weil ihr mich für ein armes Kind hieltet. Und dafür sollt ihr nun meinen Segen haben.“

Da ging es mit Klaus und Eva hinaus. Von einem Tannenbaum, der am Haus stand, brach es einen Zweig ab, pflanzte ihn in den Boden und sagte: „Dieser Zweig soll zum Baum werden und soll euch jedes Jahr Früchte bringen.“ Dann verschwand das Christkind mit den Engeln, die so schön gesungen hatten. Der Tannenzweig wuchs und wuchs und wurde der allerschönste Weihnachtsbaum. Daran hingen goldene Äpfel und silberne Nüsse.