Das Kind braucht einen Namen

Brigitte erwartet ein Baby. Jeden Tag kann´s losgehen.
Bevor sie in die Klinik muss, hat sie uns, ihre Freunde, noch einmal eingeladen. Zu Gulasch und Apfelstrudel.

Wir sind noch beim Gulasch, als Olga fragt: „Wisst ihr denn nun endlich, wie es heißen soll?“
„Ja“, sagt Toni, der hochschwangere Vater, „wir dachten an Angela.“
„Na, ja“, sagt Maria, „aber ich kannte mal eine, die hatte Warzen an den Händen. Seither denke ich bei Angela an Warzen.“
„Wir hatten auch ein Mädchen mit Warzen in der klasse“, sagt Chris, „aber die hieß Elisabeth.“
„Nennt das Kind bloß nicht Elisabeth“.
„Was haltet ihr von Manuela?“
„Du spinnst“, sagt Toni. „Da können wir unser Kind ja gleich Soraya nennen. Unser Kind braucht blonden Namen.
„Was ist mit Marie Theres oder Caroline?“ fragte ich.
„Gottes willen“, sagt Karl, „ich hab bei einer Caroline in Untermiete gewohnt.“ Und erzählt er, wie schlimm es ihm da ergangen ist.
Brigitte schaut uns leidend an. Sie kann nicht mehr sitzen. Wir sagen, wir gehen ja gleich, wir trinken bloß noch aus. Wir trinken aus, und Karl holt eine neue Flasche, er weiß ja, wo sie stehen.
„Was haltet ihr von Petra oder Katharina“, fragt Maria.

Brigitte stöhnt. Sie weiß nun wirklich nicht mehr, wie sie sitzen soll.
„Dann geh schlafen, Mütterchen“, sagen wir. „Du musst dich schonen. Sonst kommt das Kind, bevor wir einen Namen gefunden haben.“
„Wir haben ja einen“, sagt Brigitte.
„Was für einen?“
„Angela.“
„Mir gefällt Stephanie gut“, sagt Maria.
Stephanie finden alle anwesenden Freunde hübsch. Also heißt das Kind Stephanie.
„Nein“, sagt Toni, „schließlich ist es nicht euer, sondern unser Kind. Und das heißt Angela.“
Und was ist, wenn es ein Junge wird? Wir haben ja noch gar keinen Namen für einen Jungen…
„Besten Dank“, sagt Toni und schiebt uns zur Haustür hinaus. „Der Bub heißt Benedikt. Basta.“