Der Albert

Альберт

Das war schon ein krasses Ding, damals, die Sache mit dem Albert. Ich hatte mir ja geschworen, nichts mehr mit anderen Männern anzufangen, als ich den Benno geheiratet habe. Und eigentlich habe ich auch durchgehalten, na ja fast.
Also den Albert und seine Frau Britta haben wir im Goldenen Fass kennengelernt, was unsere Stammkneipe ist. Der Albert sah wirklich gut aus. Er und der Benno, also mein Mann, die haben sich gleich gut verstanden – die Britta und ich eher nicht so.

Ein paar Tage später komme ich gegen sechs von der Arbeit, da sitzen der Benno und der Albert bei uns in dem kleinen Garten hinterm Haus und trinken Bier. Ich brate ein paar Bratwürste und setze mich zu den beiden Männern, und dann trinken wir zusammen Bier und essen die Bratwürste, mit Senf und Brötchen. Dabei guckt der Albert immer so zu mir rüber, wenn Sie wissen, was ich meine. Und ich finde, ich sehe ja auch ganz gut aus, jetzt mit der neuen Lockenfrisur, ganz hellblond. Ich will mich ja nicht mit Pamela Anderson vergleichen, aber vielleicht ein bisschen so in die Richtung. Außerdem habe ich mir vor Kurzem die Vorderzähne neu machen lassen. Hat die Kasse nicht alles übernommen und wir mussten ganz schön was zuzahlen. Aber es hat sich gelohnt. Also gucke ich zurück zum Albert und schenke ihm ein Lächeln, mit meinen neuen Zähnen.

Drei Tage später steht der Albert dann vor Aldi und passt mich ab, wie ich grade Feierabend habe. Eigentlich freue ich mich ja, dass ich ihn sehe, aber ein bisschen peinlich ist es mir auch, wegen den Kolleginnen. Also gehe ich mit dem Albert schnell um die Ecke, wo sein alter Skoda steht. Wir steigen also in den Skoda und der Albert fährt Richtung Stadtwald. Ich brauche gar nicht zu fragen, wo er hin will. Ist schon klar, was er vorhat, und eigentlich bin ich ja damit einverstanden.

Der Albert ist Vorarbeiter in einer Baufirma, wo auch mein Mann manchmal Installateurarbeiten macht. Der Benno arbeitet nämlich in einer Installateurfirma, wo er fast dreimal so viel verdient wie ich, was ich ungerecht finde.
In der Woche drauf steht der Albert wieder vor dem Supermarkt und strahlt mich an wie mein Chef seine Porsche damals, als er den neu bekommen hat. Der Albert hat den Schlüssel zu einem ausrangierten Bauwagen seiner Firma organisiert, der auf einem früheren Fabrikgelände steht, ganz einsam, erzählt er mir.
Also fahren wir zu dem Bauwagen. Weil es so schön war, fahren wir in der nächsten Zeit immer wieder zu dem Bauwagen, so ein-bis zweimal die Woche. Ich habe inzwischen zwei Decken und ein Betttuch mitgebracht. Es ist so ein richtig gemütliches Nest geworden.

Dann passiert aber was Unangenehmes. Wir sind also gerade wieder so richtig zugange. Den Wagen haben wir von ihnen verriegelt und fühlen uns wohl und ganz sicher.
Plötzlich hören wir einen Dieselmotor wie von einem Traktor. Dann hören wir zwei Männerstimmen.

„Scheiße!“, flüstert der Albert, „das sind der Karl und der Mustafa von der Firma.“
Man hört die beiden draußen beraten, wir verstehen aber nichts. Plötzlich gibt es ein Gerumpel, wie wenn Eisenteile auseinander stoßen. Der ganze Wagen zittert, und auf einmal setzt er sich in Bewegung. Wir werden abgeschleppt! Der Albert und ich sind starr vor Schreck. So ein Mist!
Und dann stehen wir auf dem Hof von der Firma, wo der Albert arbeitet. Wir sind immer noch ganz still, und ich habe schwitzige Hände vor Angst.
Endlich gehen die zwei Männer weg. Ganz vorsichtig öffnet der Albert die Riegel an der Tür, und wir springen aus dem Wagen.

Plötzlich steht da der Benno, also mein Mann, neben uns. Ich kriege natürlich einen Mordsschreck und denke: Scheiße, jetzt ist alles zu spät, alles aus, ich meine mit dem schönen Reihenhaus und dem Garten und so.

„Ich hab´ grade bei euch zu tun gehabt, der Kessel müsste irgendwann ausgetauscht werden, kannst du deinem Chef ausrichten“, sagt er zum Karl, und seine Stimme klingt dabei ganz ruhig und richtig freundlich. Er hat also wenigstens nicht gesehen, wie wir aus dem Wagen gehüpft sind.
Da dreht der sich zu mir um und fragt: „Aber was machst du eigentlich hier?“
„Ach, äh, ich hab grad den Albert gefragt, ob er ein bisschen Sand für mich hat, so für den Garten, weißt du?“
Da hab ich mal wieder schnell geschaltet, bin ich auch ganz stolz drauf. Meine Mutter hat ja schließlich keine dumme Tochter. Aber knapp war es schon, und die Sache mit dem Albert ist damit auch gelaufen.

Den Sand hat er am nächsten Tag noch vorbeigebracht, aber wir haben kein Wort miteinander gewechselt.