Der Kummer des Beamten Müller

 Заботы чиновника Мюллера

 

Sie glauben doch nicht im Ernst, dass es mir mit diesen Kanaken, Kameltreibern und Spaghettis gutgeht!

Da kommt doch dieser Spaghetti, der mich jedes Jahr wahnsinnig macht, mit seinem offenen Hemd und seiner Lederjacke hereingetanzt, als wäre die Behörde eine Diskothek.

Weißt du, was er mir sagt, mein Lieber?

Der Freche sagt zu mir, an meiner Stelle würde er sich die Arbeit ganz einfach machen, und ich Idiot frage auch noch:

„Wie denn?“

Da sagt doch dieser Kerl, er würde jedem einen Stempel schenken, zum Mitnehmen nach Hause.

Warum immer hierher? Besser zu Hause ein Stempel!“

Wo kämen wir da hin, wenn das so wäre! Nein, seit zwei Jahren schreibt dieser Spaghetti bei „Nationalität“ nicht mehr „Italiener“, sondern „Gastarbeiter.“ Jedes Mal erkläre ich es ihm, und er antwortet:

Ich nix weiß, ich vorher Italiano, aber jest nix Italiano, nix Deutsch, ich Gastarbeiter“.

Und das schlimme ist, er lacht dabei, und genau das macht mich krank.

„Ach, guten Abend, Herr Al tachtal…“

Na ja, woher holt der bloß immer wieder die Frauen. Ein Scheißkerl. Muchamed  Achmed Al  Achtal, mein Lieber, da bricht einem die Zunge ab. Wozu das Ganze. Ich zum Beispiel heiße ganz einfach Hans Herbert… ganz leicht… und nicht Achchmed Machchmed.

Glauben Sie, ein einziger Kanake hat bis jetzt meinen Namen richtig ausgesprochen? So dumm sind die Brüder. Der Kameltreiber sagte mir im letzten Jahr, mein Name sei ihm zu lang. Er würde mich Hansi nennen. Auf Arabisch  soll das „mein Hans“ bedeuten. Um Gottes willen. Ich bin doch nicht schwul!

Aber diesem Kameltreiber habe ich es gezeigt. Der kommt her und steckt mir einen stinkenden, zerdrückten Pass entgegen, und ich mache ihn auf. Weiß du, was darin steht?

„Geboren: 1342.“ Also stell dir vor, am Anfang dachte ich, das ist eine  Fälschung oder der will mich auf den Arm nehmen. Aber nein! Denkste! Das ist mohammedanische Zeit.

Ich sage mir, Hans Herbert, nur ruhig Blut, ein Sandfresser kann dich doch nicht aus der Ruhe bringen. Ich frage ihn: „Also wieviel macht es christlich?“

Weißt du, was er sagt? Er glaubt, es sei 1940! Er glaubt es!… Nicht glauben soll er, sondern belegen soll er, habe ich ihm gesagt. Aber das war noch nicht mal so schlimm, denn bei Beruf trug er „Schriftsteller“ ein. Am Anfang dachte ich, das sei ein Scherz.

„Nicht doch, Herr Achtmal“, sagte ich, „Sie können doch kaum Deutsch und wollen Schriftsteller sein?“

Und was macht er? Er zückt ein Buch aus seiner stinkenden Tasche.

Hier mein Buch, schöne Errsäluung, 11euro, für sie 10.“

Also ich muss doch bitten, wir sind hier nicht im Basar.

Ich habe ihn weggeschickt. Erst muss er einen ordentlichen Beruf nachweisen, dann bekommt er die Aufenthaltserlaubnis. Wenn ich er wäre, hätte ich mich um eine Stelle gerissen, und was macht er? Mit Weibern herumkutschieren! Ich sage dir, das verdirbt mir die Laune. Was ist das für ein Tag heute!

Der Kümmeltürke kommt heute so gegen 11 Uhr. Er kommt mit seinen zwei Bälgern und seinem Weib, als wäre ein Behördengang ein Ausflug. Sie setzen sich, sie breiten sich aus bei mir. Und eine dieser Rotznasen zerrupft schon nach paar Minuten zwei Blätter von meinem Gummibaum und bringt sie mir.

„Daputt“, sagt er.

Der andere Balg schielt auf den Kugelschreiber. Ich komme ihm aber zuvor und nehme den Kuli weg.

Da sagt doch dieser Türke: „Kind nix wegnehmen. Yassin brav, nur schipilen, Kind muss.“

„Ja, aber nicht hier in der Behörde, ich bitte Sie!“ sage ich.

„Doch, muss“, brüllt der Kanake. „Du Kind haben?“ fragt er und haucht mich mit seinem Knoblauchatem an.

„Ja, zwei.“

„Wie alt?“ will er wissen.

Ich antworte nicht, weil das ja zu weit geht. Der Türke geht zu seinem Weib und holt zwei bunte Schachteln.

Hier für Kind, türkisch, schmeckt extra prima!“

Ich habe schon das Gefühl, irgend etwas stimmt nicht mit seinen Papieren, aber die Zeit ist knapp. Ich schüttele den Kopf.

Hier nix Istanbul! Hier Deutschland! Verstehen?“

Der Türke wird blass, und ich suche in den Parieren nach dem Grund der Bestechung, aber ich finde nichts.

Also, ich musste ihm den Stempel geben. Erst nachmittags hatte ich Zeit und nahm die Mappe noch einmal unter die Lupe. Und ich fand raus, weshalb dieser Gauner mich bestechen wollte. Zwei Wochen Verspätung hatte er mit seiner Ummeldung. Das habe ich gleich für nächstes Jahr vorgemerkt.

Mein Lieber, dir geht´s gut, aber mir geht´s, seitdem ich in diesem Amt bin, nicht mehr gut. Nicht einmal meine Frau versteht mich mehr. Sie sagt, ich rede mit ihr in gebrochenem Deutsch, vor allem, wenn ich wütend bin.