Der verlorene Sohn

Потерянный сын

 

Ein Mann hatte zwei erwachsene Söhne.
Beide halten bei der Feldarbeit und die Tiere des Bauernhofs zu versorgen. Durch ihren Fleiß brachten die Felder gute Ernte. Einen Teil der Ernte brauchte die Familie für sich. Den größeren Teil verkauften sie auf dem Markt. Der Vater führte die Familienkasse, in der sich bald ein kleines Vermögen angesammelt hatte.

Der jüngere Sohn, nennen wir ihn Sam war mit seinem Leben unzufrieden. Er fand das Dorf und die täglich gleiche Arbeit total langweilig. Er wollte etwas von der Welt sehen. Zum Reisen braucht man Geld. Aber sein Taschengeld reichte natürlich nicht aus. Da hatte Sam eine Idee, wie er an Geld kommen könnte.

Sam sprach mit seinem Vater über seine Reisepläne.
Der Vater war einverstanden.
„Aber wovon willst du leben, Sam?“
„Zahle mir meinen Erbteil aus dem Familienvermögen aus. Damit komme ich locker klar. Da wird sogar mehr draus, wenn man es richtig anstellt. Im Notfall kann ich auch arbeiten.“
Die Idee fand der Vater in Ordnung. Er nahm die Familienkasse, teilte das Geld auf und gab dem Sohn seinen Anteil.

Am nächsten Tag packte Sam seine Sachen. Die Familie ließ ihn nicht gerne gehen. Sie umarmten ihn noch einmal zum Abschied. Dann zog Sam los.

Sam sah sich auf seiner Reise einige Gegenden an. Dann blieb er in einer Stadt. Hier wollte er etwas erleben.
Sam hatte richtig Lust zu feiern. Seine Partys waren bald die angesagtesten in der Stadt. Die Leute drängten in sein Haus. Wenn Sam Party machte, war was los.
Abends ging er los, um wieder um Geld zu spielen. Wenn Sam kam, riefen die Spieler: „ Sam, gib mal eine Runde Wein aus.“
Sam bestellte die Lokalrunde und setzte sich an einen Spieltisch. Er spielte bis nach Mitternacht und verlor mehr Geld, als er gewann.

Wenn er viel Geld verloren hatte, dann lachte er nur.
„Na und? Morgen gewinne ich alles zurück.“
Schon bald war Sam pleite.
Seine Freunde wollten nichts von ihm wissen.
Keine Partys – keine Freunde!

Als er schließlich nichts mehr zu essen kaufen konnte, musste er sich eine Arbeit suchen. Nach langer Suche fand Sam Arbeit bei einem Bauern. Der schickte ihn zum Schweinehüten aufs Feld.
Die Bezahlung war so schlecht, dass das Geld nicht einmal fürs Essen reichte. Ständig hatte Sam Hunger. Sogar das Schweinefutter hätte er gegessen.
„Sogar die Arbeiter meines Vaters haben mehr als genug zu essen und ich sterbe hier vor Hunger.“

Sam kündigte seine Arbeitsstelle als Schweinehirt.
Er packte seine Sachen und wanderte in Richtung Heimat.

Die Feldarbeiter seines Vaters sahen ihn von weitem.
„He, guck mal! Ist das nicht der Sohn vom Chef?
„ Nee, das kann er nicht sein. Der Kerl da ist ja total verdreckt.“
Doch einer der Arbeiter erkannte Sam. Er warf seine Hacke aus den Händen und rannte zum Bauernhof.
„Chef, dahinten kommt Sam durch die Felder.“
Ja, das rief der Vater ganz aufgeregt.
„Wir dachten, Sam sei tot. Aber er lebt und ist wieder zu Hause. Das muss gefeiert werden!“
Ungeduldig lief der Vater Sam entgegen.
„Vater, ich habe Mist gebaut. Das ganze Geld ist futsch. Gib mir einen Job als Arbeiter.“
Davon wollte der Vater nichts wissen. Er brachte Sam ins Haus. Sam badete und zog sich um.
Das Fest konnte beginnen.

Der ältere Bruder kam von der Feldarbeit. Schon von weitem hörte er Musik und Gelächter. Er fragte einen Knecht, was zu Hause los sei. Der berichtete von Sams Rückkehr. Er erzählte auch, dass man deshalb das beste Mastkalb geschlachtet habe.
Im Hof erwartete ihn der Vater, der ihm erzählte, wie es seinem Bruder ergangen war.
Aber der ältere Sohn hatte genug gehört.
„In den ganzen Jahren, die ich für dich schufte, habe ich nicht mal eine Ziege für meine Partys von dir geschenkt bekommen. Der Bursche hat sein Geld verschleudert. Als Belohnung wird auch noch unser bestes Mastkalb geschlachtet.“

Der Vater legte ihm beruigend die Hand auf die Schulter.
„Du hast es die ganzen Jahre gut gehabt. Wir dachten doch, Sam sei tot. Er lebt und ist zurückgekommen. Komm, lass uns feiern.“
Der Sohn hatte sich beruhigt. Gemeinsam gingen sie ins Haus.