Die Enttäuschung

Разочарование

Eigentlich hab ich schon immer Handynummern gesammelt und Freunde im Internet, ich finde es ganz normal. Aber mein letzter Freund war sehr eifersüchtig und hat sich immer aufgeregt, wenn ich Nachrichten bekam. Ich habe ihm zuliebe meine Accounts gelöscht und auch die meisten meiner Nummern. Als er mich ein paar Monate später verließ, von einem Tag auf den anderen war er weg, hab ich das bereut. Ich fühlte mich einsam und verlassen und konnte noch nicht mal meine Exfreunde, alte Affären kontaktieren, um mich trösten zu lassen.

Mein neuer Freund ist nicht eifersüchtig. Selbstbewusst vertraut er mir. Er kann mir auch vertrauen, denn ich will ihn nicht verlieren.
Ich vertraue ihm auch.

Manchmal, das muss ich allerdings zugeben, überkommt mich unerwartet eine gefährliche Abenteuerlust. Eigentlich habe ich mich unter Kontrolle, nur ein einziges Mal.
Ich war bester Laune, denn ich hatte an diesem Freitag ein wichtiges Projekt abgeschlossen. Es war in einer Bar, in der eine Freundin Geburstag feierte. Das dieser Guido mich anstarrte, hätte ich an einem anderen Tag bestimmt ganz anderes aufgefasst, doch jetzt war ich in seltener Hochstimmung.

Guido war älter als ich. Er war der männlichste Mann, den ich je gesehen habe, und eigentlich gar nicht mein Typ. Guido sah aus, als hätte er noch nie in seinem Leben gelacht. Er sprach auch kaum, knurrte nur ab und an Halbsätze. Ein Mann wie er verlor im Bett bestimmt nicht viele Worte. Ich stellte mir vor, wie Sex mit Guido wohl sein mag. Ich konnte nicht dagegen tun, die Bilder liefen wie ein Film vor meinem inneren Auge ab. Ein Mann wie Guido wusste bestimmt, wie man eine Frau behandelt.

Es wird keiner erfahren, du könntest die Nacht deines Lebens verpassen, sagte ein kleines Ungetüm in meinem Kopf.

«Es ist nicht weit zu mir», sagte ich zu Guido.
Draußen standen Taxen und so waren wir fünf Minuten später bei mir.
Bei mir setzte sich Guido aufs Sofa, ich lief noch ein bisschen durchs Zimmer, um die Vorfreude zu steigern. Ich legte eine CD ein und lief dann einfach so noch mal auf und ab, damit er mich ansehen konnte. Dann ging ich aufregend langsam auf ihn zu. So, jetzt wollte ich gepackt werden, genommen, benutzt. Doch nichts passierte. Etwas ratlos sah er mich an. Vielleicht brauchte er ein bisschen… Ich setzte mich auf sein Knie, schlang die Arme um ihn. Wir küssten uns. Vorsichtig berührten seine Hände meine Oberarme. Wir küssten uns fünf Minuten, ich rieb mich an seinem Knie, drückte meine Brüste gegen ihn… nichts. Irgendwann zog ich mein T-Shirt aus und saß nur noch in Rock auf seinem Bein, doch Guido tat nichts -außer dieses sanfte Streicheln meiner Oberarme.
» Du hast bestimmt schon viele miese Kerle gehabt», sagte er und schaute mich mitleidig an.
«Wie bitte? Nein, hatte ich nicht. Noch nie. Wie kam er darauf?
«Ich will dich jetzt mal so richtig schön verwöhnen! Hast du Massageöl? Ich werde dir schön den Rücken kneten. Ist doch das Beste, so zum Kennenlernen.»
«Nein», stieß ich hervor. Bloß das nicht. Ich wollte einen leidenschaftlichen Liebhaber, keinen Teddybär! Wie hatte ich mich nur so täuschen können!
«Du gehst jetzt besser»
«Das find ich aber nicht in Ordnung», sagte der Teddybär.
Ich schob ihn raus, schloss die Tür. Ich fühlte mich wie erschlagen. Erschöpft ließ ich mich auf das Sofa fallen. Es war so beschämend. Ich schwor mir meinen Freund niemals wieder zu betrügen. So etwas hatte er wirklich nicht verdient.