Die Gewerkschaften

Профсоюзы

Der Gott, der das Eisen und die Arbeit wachsen ließ, der wollte keine Knechte. Und darum gab er den Arbeitnehmern die Gewerkschaften zur Seite, welche die Interessen der Lohnabhängigen zu schützen haben, denn es ist wohl klar wie Kloßbrühe: In einer Firma haben die Unternehmer ganz schön das Sagen. Ihnen gehört der Betrieb mit allem was drin ist. Deshalb müssten eigentlich alle Arbeitnehmer ständig nach den Pfeifen dieser Leute tanzen, wenn niemand da wäre, der ihnen andere Flötentöne beibringen würde. Das tun die Gewerkschaften.

Der beliebteste Schlager in der Hitliste der Gewerkschaftsforderungen ist der nach mehr Lohn. Das ist verständlich. Es ist aber auch zu verstehen, dass auf so was die Unternehmer ärgerlich reagiert –so etwa wie mein Vater, wenn meine Mutter mehr Wirtschaftsgeld verlangt. Daraus entwickelt sich meistens ein sogenannter (Ehrenkrach) Lohnkonflikt. Die Argumente knallhart aufeinanderprallen, und wenn nichts von denen sticht, greifen sie zu schweren Säbeln und anderen Kalibern.
Eine besonders schwere Waffe der Gewerkschaftler ist die Streikdrohung.

Sind es bessere Arbeitsbedingungen, wird es in den Manteltarif reingeschrieben. Gibt´s für die Arbeitnehmer mehr Geld, dann wird der Lohn oder Gehaltstarif geändert.
Bei diesem „Tarifverhandlungstheater“ hat den Gewerkschaften und den Unternehmern keiner dazwischen zu quatschen, auch nicht die Regierung. Das nennt man bei uns Tarifautonomie.

Dieses System hat bisher gut hingehauen. Wenn man bedenkt, was die vom DGB im Laufe der Zeit schon alles für die Arbeitnehmer rausgeholt haben. Das waren die handfeste Leistungen wie zum Beispiel: mehr Lohn, mehr Gehalt, mehr Urlaub, mehr Urlaubsgeld … Und nicht zu vergessen: weniger Arbeitszeiten. Das freut natürlich die Arbeitnehmer. Aber mancher Unternehmer hat schwer daran zu tragen, weil das mächtig viel Geld kostet.

Auch die Gewerkschaften nagen nicht gerade am Hungertuch. Sie sind inzwischen steinreiche kapitalistische Unternehmer geworden. Die Gewerkschaften besitzen eine eigene Großbank mit vielen Geschäftsstellen. Dazu kommt eine große Lebensversicherung und das Wohnungsbauunternehmen. Vom „coop“ und anderen kleinen Betrieben wollen wir gar nicht reden.
Der DGB ist zu parteipolitischer Neutralität verpflichtet. Jedermann kann Mitglied einer Gewerkschaft werden. Er kann es auch lassen. Aber es gibt Leute, die behaupten, man könne in keiner größeren deutschen Stadt Straßenbahnfahrer werden, wenn man nicht vorher in die ÖGV eingetreten ist.

Aber nicht nur manche Arbeitgeber gucken finster aus der Wäsche, wenn sie das Wort Gewerkschaften hören. Viele Bürger befürchten, dass die Funktionäre immer mächtiger werden. Besonders nachdem sie die paritätische Mitverstimmung in den Großbetrieben durchgeboxt haben und den Managern dort ganz schön reinreden können.
Und dann kümmern sich die DGBler immer mehr um Dinge, für die sie gar nicht zuständig sind, wie zum Beispiel Paragraf 218, Gesamtschule, Medienpolitik, Abwässerreinigung und anderes mehr.
Mein Vater ist da schwer sauer. Er malt immer öfter den Gewerkschaftsstaat an die Wand, zumal die vom DGB jetzt auch für die Einführung der sogenannten Investitionskontrolle mächtig die Trommel rühren.

Aber das ist ein Kapitel für sich.