Die Hausaufgabe

Домашнее задание

Eigentlich macht Hannes seine Hausaufgaben immer im Wohnzimmer am großen Tisch, während Anna in der Zwischenzeit im Kinderzimmer spielt.
Aber heute nachmittag macht Hannes seine Hausaufgaben im Kinderzimmer.
Erstens ist Mama nicht da. Und zweitens hat Anna ganz fest versprochen, dass sie nicht stören wird. Dass sie nur neben ihm sitzt und zuschaut, dass sie nicht reden und dass sie überhaupt kein bisschen Krach macht.
„Was macht du denn da hinter mir?“ fragt Hannes.
„Ich gucke“, flüstert Anna kaum hörbar.
„Wie bitte? Kannst du nicht lauter reden?“ sagt Hannes.
„Doch. Aber ich soll doch leise sein.“

„Du, Hannes..“ sagt sie.
„Vierundzwanzig. Vierundzwanzig und drei… und drei… Jetzt hast du mich rausgebracht! Jetzt muss ich alles noch einmal rechnen!“ schimpft Hannes. „Hier, diese ganze Zahlen muss ich zusammenrechnen. Und dabei musst du still sein, sonst verrechne ich mich.“
Anna schaut auf die Zahlen im Heft.
„Wie bei uns im Bad“, stellt sie fest.
„Was? Wieso?“ fragt Hannes.
„Na, die Kästchen“, erklärt sie ihm.
Hannes muss lachen. „Ach, du meinst: Wie die weißen Fliesen bei uns an der Badezimmerwand?» sagt er.
„Wozu sind die da?“ fragt Anna.
„Zum Rechnen. Man muss die Zahlen immer genau in die Kästchen schreiben“, erklärt Hannes.

Nach einer Weile legt Hannes den Füller zur Seite und steht auf.
„Bist du jetzt fertig?“ fragt Anna.
„Nein. Ich gehe nur mal in die Küche“, sagt Hannes. „Ich mache mir was zu trinken.“

Anna setzt sich auf den Stuhl von Hannes. Sie nimmt den Füller und versucht, eine Eins genau in eins der Kästchen zu schreiben. Das ist schwieriger, als sie es sich vorgestellt hat. Die Zahl wird immer viel zu groß. Deshalb versucht sie es mit dem Ring, der Null. Das geht auch nicht besser. Sie muss mindestens zehn Nullen schreiben.

Als Hannes aus der Küche kommt, sagt Anna stolz:
„Ich habe schon ein bisschen für dich weitergerechnet.“
„Was hast du?“ ruft Hannes entsetzt. „Du kleines Biest! Alles hast du verschmiert! Jetzt muss ich alles noch einmal neu schreiben, alles! Das kann ich doch so nicht unserem Lehrer zeigen. Das wirst du büßen!“
“Das wollte ich aber nicht. Wirklich nicht!“ sagt Anna fast weinend.
„Das hilft jetzt auch nichts mehr!“ schreit Hannes und geht auf Anna los.
„Du… du darfst auch etwas kaputtmachen, was mir gehört. Wenn du was von mir kaputtmachst, sind wir wieder guitt, ja? Dann bist du nicht mehr so wütend, ja?“
„Ich mache es aber wirklich ganz kaputt!“ sagt Hannes warnend. „Dann nehme ich die Stücke und werfe sie in den Mülleimer oder ins Klo!“
Hannes geht zu Annes Bauernhof und zeigt auf das Huhn.
„Halt“ ruft Anna. „Nicht das Hühnchen. Du darfst alles kaputtmachen, was du willst. Aber nicht das Hühnchen. Es ist doch noch so klein!“
„Na gut. Dann nehme ich eben diese Kuh!“
Anna schüttelt heftig den Kopf. „Die Kuh?“ sagt sie. „Nein, das geht nicht.“
„Und warum nicht.“
„Weil… es sind doch zwei Kühe, die sind verheiratet. Wenn du eine kaputtmachst, dann ist die andere doch so allein.“
„Dann nehme ich das Pferd, das ist sowieso allein.“ sagt Hannes und holt das Pferd aus seinem Pappkartonstall.
„Das.. das Pferd geht nicht“ ruft Anna hastig. Das hat mir doch Herr Wollmayer geschenkt! Wenn er mal wiederkommt und fragt, wo das Pferd ist. Aber alles andere kannst du kaputtmachen. Was du willst!“ sagt Anna.

Hannes schaut sich im Kinderzimmer um. Unter Hannes Kopfkissen liegt ein Teddybär. Hannes zieht ihn am Ohr hervor.
„Den mache ich jetzt karutt!“ sagt er triumphierend.
„Nein, nicht meinen Teddy! Das geht nicht“, ruft Anna.
„Warum nicht?“
„Den brauche ich doch zum Einschlafen. Wenn ich meinen Teddy nicht mehr habe, kann ich nicht einschlafen. Dann musst du mir jeden Abend eine einschlafgeschichte erzählen!“
„Jeden Abend? Du spinnst wohl!“ sagt Hannes und wirft den Teddy schnell zurück ins Bett.
Anne wühlt in ihrer Spielkiste und findet einen großen Kieselstein, den sie einmal vom Strand mitgebracht hat.
„Den darfst du ganz kaputtmachen“, erlaubt sie großmütig.
„Wie soll ich denn den kaputtkriegen. So, jetzt reicht´s mir aber!“ schimpft Hannes. „Wenn du mir jetzt nicht sofort etwas gibst, dann nehme ich doch dein Hühnchen und werfe es aus dem Fenster!“
„Gleich, gleich!“ ruft Anna aufgeregt, rennt weg und kommt mit einem roten Stift wieder. „Geht das?“
„Der schreibt wohl nicht mehr, was?“ fragt Hannes.
Sie schaut gespannt zu, wie er den Stift in beide Hände nimmt und versucht, ihn in der Mitte durchzubrechen.
„So was Doofes!“ sagt er „Ich bin schon längst nicht mehr wütend. Verstehst du: Ich habe überhaupt keine Wut mehr! Hier, da hast du deinen Stift wieder!“
„Kannst… kannst ihn behalten“, sagt Anna.
„Du schenkst ihn mir?“ fragt Hannes überrascht.
„Nein… es ist nur, weil er dir doch sowieso gehört“, sagt Anna.