Die Marktwirtschaft

Рыночная экономика

Es gibt Zeitgenossen, die meinen, soviel Wohlstand, wie wir heute haben, sei Opium fürs Volk. Weil Wohlstand nur durch Leistung zu erreichen ist, nennen sie unsere Gesellschaft eine Leistungsgesellschaft, was ein Schimpfwort ist.
Aber mein Onkel Otto hat mal gesagt: „Wer sich was leisten will, muss vorher was leisten!“

Natürlich haben die Verbraucher keine Tomaten auf den Augen und wissen, dass auch unsere Marktwirtschaft ein paar Macken hat. Aber so, wie sie jetzt gebaut ist, ist sie fürs Volk unter Garantie besser als alles das, was mal vorher war.
Bei uns in der Bundesrepublik funktioniert die Wirtschaft so ähnlich wie ein sportlicher Wettbewerb. Die Medaille, die es im Sport für Spitzenleistungen gibt, das ist in der Wirtschaft der Gewinn, den die Unternehmer machen.
Da gibt es auch Leute, die gelegentlich faul spielen. Die kriegen vom Staat gleich die gelbe Karte und wenn es ganz schlimm ist, auch die rote.

Es ist zum Beispiel streng verboten, dass sich Unternehmer auf einem stillen Örtchen treffen und verabreden, was sie ihren Kunden abknöpfen sollen. So was nennt man Kartell. Wer ein Kartell bastelt, und dabei erwischt wird, wandert ins Kittchen. Und wenn große Unternehmen lästige Konkurrenten schlucken wollen, ist das nur erlaubt, wenn die Wettbewerbspolizei im Berliner Kartellamt dazu grünes Licht gibt. Dabei denkt der wissende Mensch zum Beispiel an Neckermann, der vom fetten Karstadt geschluckt worden ist.

Damit in der Wirtschaft überhaupt Wettbewerb stattfinden kann, müssen die Unternehmer so frei sein, am Markt das zu verkaufen, von dem sie sich den größten Gewinn versprechen.
Mein Vater sagt immer: Ein freier Markt ist wie eine riesige Volksabstimmung. Jeder Geldschein des Verbrauchers wird da zum Wahlzettel, mit dem er sich für eine bestimmte Ware oder Dienstleistung entscheidet.
Wie man also sehen kann, ist unsere Marktwirtschaft eine demokratische Ordnung. Dagegen ist die Planwirtschaft eine Diktatur, weil dort nämlich der Staat bestimmt, was für Bedürfnisse seine Bürger haben dürfen. Man sagt, in der Marktwirtschaft läuft die Ware dem Kunden nach; in der Planwirtschaft läuft der Kunde hinter der Ware her.

Das Wörtchen „Sozial“ vor unserer Marktwirtschaft ist kein leeres Gerede, Wenn Opa mit Oma in Mallorca überwintert, weil es bei uns zu lange regnet und schneit, dann geht das nur, weil die Soziale Marktwirtschaft so Futter steht, dass Alte und Kranke auch gut leben können.
Überhaupt wurde für alle, die nicht mehr arbeiten können oder für Leute die in Not geraten sind, ein soziales Netz geknüpft.
Die wichtigsten Teile von diesem Netz sind die Rentenversicherung, die Krankenversicherung, die Unfallversicherung, die Arbeitslosenversicherung. Leute mit Kindern kriegen Kindergeld und Leute, die mehr Zimmer brauchen als sie Miete zahlen können, kriegen Wohngeld. Damit ist denen geholfen, die viele Kinder haben und jenen, die mehr Miete bezahlen müssen, als sie sich leisten können.
Doch nicht nur private Menschen haben Wünsche oder wollen unterstützt werden. Ganze Wirtschaftszweige, die schwach auf der Brust geworden sind oder Gebiete, die in ihrer Entwicklung vermickert sind, wollen vom Staat unter die Arme gegriffen kriegen. Das Geld, was dafür ausgegeben wird, nennt man Subventionen.

Nun meinte ja mein Vater, der Staat sollte nur denen helfen, die sich nicht selbst helfen können. Aber Geld macht sinnlich. Deshalb wollen auch immer mehr solche Leute und Betriebe vom Staat befriedigt werden, die es gar nicht nötig haben. Und weil die Politiker bei Vater Staat immer wieder auf ihre Pöstchen gewählt werden wollen, lassen die das Geld aus der großen Gießkanne über alle Köpfe regnen.
Wenn der Staat so weiter macht, müssen den Bürgern und der Wirtschaft immer mehr Steuern abgezwackt werden. Was dazu führt, dass sie immer weniger Lust zum arbeiten haben, und eines Tages halten auch sie beim Staat die Hand auf.
Das ist noch lange nicht alles, sagt mein großer Bruder. Durch diese Umverteilerei vermehren sich die Paragrafen wie Ratten. Wenn es erst mal für alles und jedes -zig Vorschriften gibt, dann haben bei uns am Ende nur noch die Bürokraten das Sagen.

Jetzt weiß ich auch, was mal mein Job wird: Paragrafenmacher beim Staat. Paragrafen werden immer gebraucht.