Die Vase

 

Ваза

Goldmanns waren von Spannagls zu deren zwanzigsten Hochzeitstag eingeladen worden.

Sie mussten natürlich ein Geschenk mitbringen, und Goldmann hatte bereits etwas Passendes gefunden. Eine dunkle Vase mit einem kleinen Fehler, kostete sie die Hälfte, und der Schaden war leicht zu verdecken. Goldmann musste nur mit einem Pinsel drüber lackieren.

Spannagls zeigten große Freude, als sie Vase bekamen. Sobald sie aber wieder allein waren, sagte Frau Spannagl:

„Was machen wir mit der Vase? Die ist doch schrecklich!“

„Ich habe sofort gewusst, was wir damit machen. Wir schenken sie Lebowitsch zum Geschäftsjubiläum.“

Lebowitsch freute sich mit der Vase wie ein Kind, als sich aber Spannagls entfernt hatten, sagte er zu seiner Frau:

„Was sagst du zu Spannagls? Schenken uns diese greuliche Vase!“

„Ich weigere mich, auch nur eine Nacht mit ihr unter einem Dach zu verbringen,“ entgegnete Frau Lebowitsch.

„Das werde ich dir sagen. Die eine Nacht wirst du es aushalten, und morgen bringen wir sie Wimmers zur Housewarmingparty mit,“  beruhigte Herr Lebowitsch.

Wimmers waren von der Vase entzückt. Als die Party vorüber war, sagte Lisa Wimmer empört:

„Diese entsetzliche Vase! Ich finde, es ist eine Zumutung, einem so etwas zu schenken!“

„Im Gegenteil“, lachte Wimmer. „ich freue mich damit. Wir sind doch morgen zur Verlobung von Bergers Tochter eingeladen. Jetzt haben wir ein Geschenk, das uns nichts kostet.“

Bergers Tochter und ihr Verlobter waren selig, als sie die Vase bekamen. Sobald sie aber wieder im trauten Familienkreis waren, sagte Verlobter zu seiner Braut:

„Diese Vase kommt natürlich nicht in unser schönes Apartment. Solltest du darauf bestehen, löse ich lieber die Verlobung.“

„Streitet nicht“, sagte der alte Berger, „ übermorgen ist Weihnachten, da sind Mutter und ich bei Pinters eingeladen.“

Martin Pinter konnte nicht genug Worte über die Schönheit der Vase finden, während Mathilde Pinter ein gefrorenes Lächeln zeigte.

„So eine Frechheit. Am liebsten hätte ich die Vase den beiden ins Gesicht geworfen!“, sagte sie, als die Gäste sie verlassen hatten.

„Reg dich nicht auf“, meinte Pinter ruhig, „ in zwei Monaten ist St. Valentinstag – da geben wir ein paar Rosen hinein und schicken sie Spannagls.

Spannagls kam die Vase bekannt vor.

„Die Vase kenne ich. Ich war froh, dass sie aus dem Haus war. Was machen wir jetzt damit?“

„Wir schenken sie Goldmann zur Eröffnung seines neuen Geschäftes.“

Goldmann erkannte die Vase auf den ersten Blick und fand auch bald den von ihm ausgebesserten Fehler.