Die Werbung

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Vorm Abendessen sitzen wir meistens am Fernseher. Da gibt´s das Regionalprogramm mit Krimis und Werbefernsehen. Meine Mutter steht zu der Zeit noch in ihrer Küche. Sie brät in einem fettfrei beschichteten Topf gabelfreundliche Nudeln, während der herzschonende Kaffee, dessen Aroma man mit verbundenen Augen schmecken kann, durch den reißfesten Melissafilter tröpfelt. Auf dem Tablett stehen schon Butter aus Holland, Käse vom Fuße der Alpen, die Wurst mit dem Reißverschluss und Obst aus deutschen Land frisch auf den Tisch.

Während dessen hockt meine Schwester mit Spannung im Haar und ihrem schäfchenweichen Pulli auf dem Sofa rum. Oma trinkt ein Glas Milch von glücklichen Kühen, und mein großer Bruder ist umgeben von dem kraftvoll-herben Duft, der Frauen rasend macht.

Die häusliche Idylle fliegt sofort auf wie die Tür, wenn mein Vater reinkommt. Der ist immer gleich auf 80, wenn er uns um diese Zeit vor dem „Kasten“ erwischt. Er hält Werbung für Volksverdummung. In diesem Punkt ist einfach nicht mit ihm zu reden.

Mein großer Bruder, der Volkswirt wird, hält das für Quatsch. Er gibt zwar zu, dass Werbung zum Kauf verbitten soll, aber so doof, wie diese Leute uns hinstellen, seien wir nun doch nicht. Er sagt, Werbung ist in erster Linie Verbraucherinformation. Das findet meine Mutter auch. Sie liest immer die Anzeigen, besonders wenn es sich dabei um Sonderangebote handelt.

Mich interessiert das ja weniger. Ich würde mir auch nicht die neuen bunten Kaubonbons kaufen, für die sie jetzt Reklame machen. Mit Verführen ist also nicht drin bei mir. Höchstens bei denen , die sowieso auf sowas scharf sind wie meine Schwester auf ihr schönes Haar. Und die sich deshalb ganz gerne verführen lassen wollen. Selbst dann, wenn es für sie Folgen haben würde.

Aber deshalb Werbung verbieten? Dann aber auch für die Parteien, wenn die für die nächste Wahl werben. Wieso ist eigentlich für Politiker erlaubt, was für andere verboten ist? Ich finde das verdammt ungerecht.
Auf jeden Fall steht fest, dass Werbung dem Verbraucher Vorteil bringt. Mein Bruder hat neulich meinem Vater vorgerechnet, was der Fernseher, den er sich kürzlich ganz billig gekauft hat, wohl noch kosten würde, wenn durch die Werbung nicht der Absatz von den Produkten gesteigert und dadurch die Herstellung billiger geworden wäre.

Außerdem muss man ja auch mal überlegen, wie dünn die Tageszeitungen wären, wenn sie keine Werbung drin hätten. Und wie teuer. Denn erst durch die vielen Anzeigen, die den Presseleuten Geld in die Kasse bringen, können sie ihre Zeitungen preiswert in die Briefkästen und auf den Markt schmeißen.

Also was die Werbung betrifft, da bin ich ausnahmsweise mal mit meinem Bruder einig. Wir reden doch immer vom Wettbewerb. Aber wo Wettbewerb sei soll, muss auch Werbung sein. Das gehört zusammen wie Dick und Doof. Oder wie der Wettbewerb zur Sozialen Marktwirtschaft.