Drei kleine Gänse

Три гуся

 

Es waren einmal drei kleine Gänschen, schön wie Blümchen, und sie wussten noch nichts von der Welt. Sie wohnten in einem kleinen Haus am Rande der Stadt.

Eines Tages bekamen sie mit der Post ein Schreiben. Es war von einer Freundin, die heiraten wollte und sie zur Hochzeit lud.Gänsehohzeit

„Gehen wir“, sagte die älteste der kleinen Gänse.

„Ja, gehen wir“, sagte die Mittlere.

„Ja, wir wollen gehen und uns hübsch anziehen“, sagte die Jüngste. Und die Schwestern folgten ihr. Sie zogen ihre schönsten Kleider und hübschesten Schuhe an und gingen dann zur Straßenbahn, weil es weit war und sie durch die ganze Stadt mussten.gusi1

Die Straßenbahn kam, die  kleinen Gänse stiegen ein und fuhren zur Stadt. Unterwegs aber blieb die Straßenbahn stehen, und wer stieg ein? – der Wolf. Gleich schnupperte er und knurrte: „Ach, hier duften Gänse! Ich muss schauen, wo sie sitzen.“

Und er ging und ging, bis er sie sah. Er stellte sich vor sie hin und sagte: „Liebe Gänse, junge Gänschen, jetzt freß ich euch!“

„Friß uns nicht, Wolf!“ bat die älteste der kleinen Gänse.

„Friß uns nicht, lieber Wolf, wir fahren zu einer Hochzeit“, sagte die Jüngste. „Warte, bis wir heimfahren, dann werden wir dicker sein.“volk3

„Gut“, sagte der Wolf. „Dass ihr mir aber nicht davonlauft, sonst komme ich in eure Hütte, euch holen!“

Und er sprang aus der fahrenden Straßenbahn.

Die Gänse gingen zur Hochzeit. Und weil sie so hübsch und schön angezogen waren, hatten sie die meisten Tänzer.

Als es dunkel wurde und die Gänse auseinandergingen, mussten auch die kleinen Gänse nach Hause.

„Aber was fangen wir jetzt an!“ jammerte die Älteste. „Am Weg wartet der Wolf auf uns!“

„Wir laufen ihm davon“, sagte die Mittlere.

„Wir laufen in den Wald und bauen uns dort eine Hütte!“ sagte die Jüngste.

Sie liefen geradenwegs in den Wald und fanden auf einem Hügel ein hübsches Plätzchen für eine Hütte.

„Jetzt rupfen wir uns jede ein paar Federn aus und machen eine Hütte aus ihnen!“ sagte die Älteste.

Die kleinen Gänse rupften sich jede ein paar Feder aus, und im Nu wurde eine kleine Hütte daraus. Als sie fertig war, sagte die Älteste: „Und jetzt will ich nachschauen, ob kein Loch darin ist.“

Und sie kroch hinein und befahl dann von drinnen: „Noch ein Federchen hier, noch ein Federchen da, noch ein kleines Loch hier und da und dort, und das ist alles!“

„Also, lass uns hinein!“ riefen die beiden jüngeren, als alle Löcher verstopft waren.

Aber die Älteste ließ sie nicht ein. „Nein! Wer drin ist, ist drin, und wer draußen ist, bleibt draußen!“

Die beiden jüngeren kleinen Gänse baten, weinten, der Wolf werde sie fressen, aber die Älteste ließ sich nicht erweichen. „Wenn ihr eine Hütte wollt, dann baut sie euch!“

Und so gingen denn die beiden und fanden auf einem andern Hügel ein noch hübscheres Plätzchen für eine Hütte.

„Jetzt sammeln wir jede ein Bündel Reisig und machen eine Hütte daraus“, sagte die mittlere der kleinen Gänse.

Und sie sammelten jede ein Bündel Reisig, und im Nu wurde eine kleine Hütte daraus. Als sie fertig war, sagte die Mittlere: „Und jetzt will ich nachschauen, ob kein Loch darin ist.“

„Lass mich hinein! Sagte die Jüngste.

„Nein! Wer drin ist, ist drin, und wer draußen ist, bleibt draußen!“

Und so ging denn die jüngste der kleinen Gänse und fand auf einem Hügel ein noch hübscheres Plätzchen für eine Hütte.

„Und jetzt will ich Steine sammeln und mir ein richtiges Häuschen aus Steinen bauen“, sagte die Jüngste und sich sofort an die Arbeit.

Es ging nicht so schnell wie vorher, als sie zu dritt oder zu zweit bauten. Aber nach einer Zeit hatte sie einen Haufen Steine gesammelt und ein richtiges Häuschen daraus gebaut.dom Als es fertig war, ging sie hinein, schaute nach, wo noch Löcher waren, vermauerte sie hübsch, schloss sich dann in dem Häuschen ein und bereitete sich ein Abendessen.

Und der Wolf? Der wartete am Weg, und als er sah, dass die Straßenbahnen fuhren und in keiner die kleinen Gänse, wusste er, was los war und rief: „Ihr seid in den Wald gelaufen? Na, wartet nur, ich werde euch finden!“

Und er fand sie. Es dauerte nicht lange, und er stand vor der Hütte aus Federn. Er klopfte an und rief:

„Gänschen klein, lass mich ein!

Hier draußen wird´s Nacht.

Ich habe was Hübsches mitgebracht!“

Aber die Älteste öffnete nicht. „Nein, Wolf, ich lass dich nicht ein, sonst frist du mich.“

„Freilich freß ich dich!“ rief der Wolf wütend und blies aus voller Lunge, so dass die Hütte auseinanderstob wie ein zerrissenes Federbett. Der Wolf stürzte sich auf die kleine Gans, und im Nu war sie im Ganzen in seinem  Bauch verschwunden.

Dann rannte der Wolf die anderen zwei Gänschen suchen. Es dauerte nicht lange, und er stand vor der Hütte aus Reisig. Er klopfte an und rief:

„Gänschen klein, lass mich ein!

Hier draußen wird´s Nacht.

Ich habe was Hübsches mitgebracht!“

Aber die Mittlere öffnete nicht. „Nein, Wolf, ich lass dich nicht ein, sonst frist du mich.“

„Freilich freß ich dich!“ rief der Wolf wütend und blies aus voller Lunge, so dass die Hütte auseinanderfiel wie ein altes Rabennest. Der Wolf stürzte sich auf die kleine Gans, und im Nu war sie im Ganzen in seinem  Bauch verschwunden.

Dann rannte der Wolf noch das dritte Gänschen suchen. Es dauerte nicht lange und er stand vor dem Häuschen aus Stein. Aus dem Schornstein stieg Rauch in die Höhe, die kleine Gans kochte einen Topf Suppe zum Abendessen.

Der Wolf klopfte an und rief:

„Gänschen klein, lass mich ein!

Hier draußen wird´s Nacht.

Ich habe was Hübsches mitgebracht!“

Aber die Mittlere öffnete nicht. „Nein, lieber Wolf, ich lasse  dich nicht ein, sonst frist du mich.“

„Freilich freß ich dich!“ rief der Wolf wütend und blies aus voller Lunge. Aber er mochte blasen und kratzen so viel er wollte, das Häuschen stand fest.

„Wart nur, ich komme doch hinein!“ drohte der Wolf, sprang aufs Dach und wollte durch den Schornstein in das Häuschen kriechen.

Als die Jüngste das sah, hob sie ohne zu zögern den Deckel von dem Topf mit der siedenden Suppe. Der Wolf stürzte in den Topf, und es war um ihn geschehen.

Und dann? Dann nahm die jüngste der kleinen Gänse ein großes Messer, schlitzte dem Wolf den Bauch auf, und heraus sprangen ihre beiden Schwestern, heil und gesund. Sie dankten der Jüngsten für ihre Rettung, baten sie um Verzeihung und blieben dann mit ihr in dem Häuschen aus Steinen. Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie dort zufrieden noch heute.