Erziehung

Воспитание

Von Phil Bosmans

Was an den Schulen aller Arten vor sich geht, ist nach meiner Überzeugung wichtiger und für die Zukunft entscheidender als die Aktivitäten in Fabriken, Betrieben und Büros. Was dort geformt oder verformt, gebildet oder missbildet  wird, sind Menschen.  Wenn es nur um den Verstand geht, um das vollgestopfte Gehirn, macht man perfekte Roboter, aber keine Menschen. Schulen und Universitäten, wo Professoren, Lehrer und Lehrerinnen gegen Bezahlung nur irgendwelche Spezialkenntnisse weitergeben, arbeiten am geistigen Bankrott der Gesellschaft.

Erziehen heißt nicht nur den Verstand züchten, sondern den ganzen Menschen bilden, also auch sein Herz und seinen Charakter. Erziehen heißt: von Generation zu Generation geistige Werte weitergeben, die dem Leben  Sinn und Inhalt geben. Solches Weitergeben geschieht nicht nur mit Worten, sondern vor allem dadurch, dass diese Worte sichtbar und greifbar werden in der eigenen Lebenshaltung. Erziehen ist eine gemeinsame Aufgabe von Eltern, Schulen, Universitäten, Presse, Radio, Fernsehen, öffentlicher  Meinung. Erziehen: eine schwere Verantwortung.

 

Mensch sein

Mensch sein, ein guter Mensch sein, das ist das Wichtigste in dieser Welt. Aber wen interessiert das?

Die große Welt hat nur einen Blick für die großen Dinge, für die Dinge, die auffallen, die in der modernen Wertskala ganz oben rangieren: Karriere, Ansehen, Vermögen. Gefragt sind nicht dein Gutsein, deine Einfachheit, deine Bereitschaft zum Dienen, sondern deine Examen und Diplome, deine Titel, dein Ehrgeiz, deine Funktionen. Gefragt ist das technisch-wissenschaftliche Anpassungs-und Leistungsvermögen. Das ist die Gefahr, die uns bedroht in dieser überorganisierten, überverwalteten Gesellschaft.

Mit dem Herzen rechnet ein Computer nicht. Wäre es sonst möglich, dass so viel entsetzliche Not in dieser  Welt weiter besteht?

Die Guten haben keine Macht. Macht und Verfügungsgewalt liegen bei den Großen der Erde, die noch immer so tun, als wären die Güter der Erde ihr Privateigentum.

Die modernen Barbaren können elegante Herren in glänzenden Büros sein. Sie bedienen  Kommandoknöpfe, sie regieren mit Unterschriften, und ihre lautlosen Waffen liegen im Tresor. In  der Geschäfts-und Finanzwelt sitzen Gangster, die darauf spezialisiert sind, aus den Kleinen und Schwachen gnadenlos das Letzte herauszuholen.

Lass dich nicht entmutigen. Werde ein guter Mensch, werde ein ganz guter Mensch, dann wird das Stückchen Welt, in dem du lebst und arbeitest, doch ein besseres Stückchen Welt.

 

Liebe gibt es nur umsonst

Ich muss dir nochmals sagen:

Das Glück hat nicht viel zu tun

mit Reichtum und  Besitz.

Das Glück kommt niemals per Postscheck und Girokonto.

Kaufen kannst du Unterhaltung

Und Freizeitgestaltung,

aber ein zufriedenes, freies Herz,

das erst Freude an dem schenkt,

was du alles hast,

das kannst du nicht kaufen,

niemals und nirgendwo.

Es ist unbezahlbar!

 

Hab die Menschen gern

Hab die Menschen  gern,

die kleinen, die großen,

die schönen, die hässlichen,

die lustigen, die trockenen,

die geschickten, die ungeschickten,

die gelungenen, die missglückten.

Deine Liebe wird ihnen guttun.

Du merkst ja selber auch gleich,

ob einer, der mit dir zu tun hat,

dich mag oder nicht.

Wenn einer dich mag,

kümmert er sich und ist freundlich,

alles wird anders, eine schöne Zeit.

So geht es auch den anderen,

mit denen du zu tun hast.

„Mensch, ich hab´ dich gern“ –

Sag es weiter mit Worte oder ohne Worte.

Sag es mit einem Lächeln,

mit einer Geste der Versöhnung,

mit einem Händedruck,

mit einem Wort der Anerkennung,

mit einer Umarmung,

mit einem Kuss,

mit einem Stern in deinen Augen.

Sag es weiter mit tausend

kleinen Aufmerksamkeiten,

jeden Tag aufs neue: „ Ich hab´ dich so gern.“