Flug 626

Ich schleppte meinen Koffer die Treppe runter. Ich war mir sicher, dass ich am Flughafen Ü-bergepäck bezahlen musste.

Mein Name ist Erna, ich bin 16, und ich habe die letzten drei Monate damit verbracht, auf eine australische Schule zu gehen. Heute war mein letzter Tag. Die Stimmung war drückend. Ich stand unter Schock. Waren drei Monate wirklich schon vorbei? Ein letztes „Danke für alles“ an meinen Gastvater. Wir fuhren den Berg , auf dem wir wohnten, langsam hinunter, vorne meine Gastmutter und meine Austauschpartnerin, hinten ich. Ich fing an zu weinen. Ein Gedanke jedoch munterte mich auf: Beate! Wir kannten uns vom Hinflug. Die drei Monate in Australien hatten wir nur über E-Mail Kontakt, da wir auf verschiedene Schulen gegangen sind. Wir hatten uns versprochen, im Flugzeug nebeneinander zu sitzen.

Nun war es also soweit, mich von meiner Gastmutter und meiner Austauschpartnerin zu verabschieden. Alles hat bekanntlich ein Ende und man sollte gehen, wenn´s am Schönsten ist.
Eine letzte Einkaufstour durch die Duty-Free-Läden und ab ging es ins Flugzeug. Ich saß am Fenster, neben mir Beate. Ich freute mich riesig auf die 24 Stunden Flugzeit, die ich jetzt vor mir hatte, zwar mit Pause, aber 24 Stunden insgesamt. Wir hatten uns richtig viel zu erzählen, doch kaum eine halbe Stunde in der Luft, wurden wir auch schon gestört. Es war Essenzeit! Mindestens jede Stunde bekam man etwas Neues. Oje, als hätten wir in den drei Monaten nicht schon genug gegessen.

Schließlich war der erste Flug schon zu Ende und wir mussten aussteigen. Der Steward erklärte uns, dass für uns ein Betreuungsdienst für die drei Stunden, die wir in Singapur verbringen mussten, gebucht worden war. Auf gut Deutsch: Wir hatten einen Babysitter! Alle Träume an Duty-Free-Shopping verflogen in einer Sekunde. Hallooo? Wir waren alle mindestens 16.

Als wir unsere Plätze zurechtgemacht hatten für die nächsten 12 Stunden Flug und wir gerade in der Luft waren, wussten alle schon was jetzt kommt: Thema Essen! Natürlich! Und schon ging der Vorhang auf und die Stewardess schob langsam den Essenwagen den Gang hinunter. Der zweite Flug verlief relativ ruhig. Wir schliefen.

Als wir gelandet waren, dauerte es noch ziemlich lange, bis wir unseren Pass vorzeigen durften und unsere Koffer hatten. Aber dann ging es endlich Richtung Ausgang. 24 Stunden Flug hatten wir hinter uns und sahen bestimmt auch so aus. Aber egal! Schließlich konnte ich meine Mutter in die Arme nehmen, nach drei Monaten. Ich war wieder zu Hause!