In der Kneipe

В пивной

Langsam begann die Kneipe zu füllen. Die ersten bekannten Gesichter tauchten auf. Leute aus der Gegend, denen abends die Decke auf den Kopf fiel oder die einfach die Schnauze voll hatten vom Job, wie George.

„Hallo George, wie geht´s?“
„Danke, ganz gut. Nur dieses Scheißwetter.“
„Das Übliche?“
„Wie immer. Gib mir noch einen, aber nicht so knapp. Ganz flotter Käfer, deine neue Bedienung. Wie ist sie denn?“
„Kümmer dich um deinen Kram. Lass sie zufrieden. Hast du verstanden?“
„Ist ja schon gut.“

Und doch folgen Georges Augen ihren Bewegungen. Endlos lange Beine. Verdammt, wo hörten die auf, dachte er und grinste.

Nach dem zweiten Glas fühlte er sich besser. George fühlte sich immer nach dem zweiten Glas besser. Trotzdem, wenn er an morgen dachte… Vielleicht war es nur Lampenfieber, versuchte er sich zu beruhigen. Blöde Sache! Vollkommen überflüssig, er hatte doch alles im Kopf. Er musste unbedingt mit Sarah sprechen. Sie hatte ihm diesen Job besorgt. Sarah hatte die richtigen Beziehungen. Ohne Sarah würde er schlechter über die Runden kommen, die Zeiten waren härter geworden. Man musste sich durchkämpfen, wenn man Erfolg haben wollte. Keine Gnade für Versager.

George blickte auf seine Armbanduhr. Halb zehn. Frühestens um zehn konnte er Heitmann anrufen. Der große Boss. Morgen würde Heitmann zufrieden mit ihm sein, begeistert. Das war sicher.
„Eines Tages komme ich ganz groß raus. Wirst schon sehen!“
„Ja, George. Ich weiß. Ich glaub´s dir ja.“
„Wirklich, ich habe da eine große Sache am Laufen.“
„Komm, trink noch einen. Auf Kosten des Hauses, dann wird die Sache noch größer.“

Punkt zehn wählte er Heitmanns Nummer.

Zart streichelte Heitmann über Sarahs Rücken. Das Klingeln des Telefons übertönte die leisen Klänge eines Streichorchesters.
„Telefon, Schatz.“
„Lass es klingeln. Das wird Georg sein. Der hat mir heute noch gefehlt. Den ganzen Tag ist er mir schon auf den Wecker gefallen. Achtzehnmal haben wir die Szene gedreht. Fühlt sich wie Bogart und kann nicht mal eine Waffe halten. Diese Kleindarsteller! Wenn du ihn mir nicht empfohlen hättest…“
„Er ist halt ein armes Schwein!“
„Ja, ja. Ich hab´s nur deinetwegen getan. Aber eins garantiere ich dir, wenn der morgen seinen Text wieder nicht kann… Ich habe ihm gesagt, er soll die Waffe aus der Requisite mitnehmen und zu Hause üben, aber wahrscheinlich säuft der Kerl wieder in irgendeiner Kneipe. Ich sage dir, dann werden die Szenen mit ihm geschnitten, alle!“

Der Waffe war in Georges Manteltasche. Bilder tauchten in seinem Kopf auf. Er, den Mantelkragen hochgeschlagen, den Hut tief ins Gesicht gezogen, Zigarette im Mundwinkel. Kaltes Lächeln. Und die schwere, klobige Waffe in der Hand. Er hatte doch alles im Kopf.
„Keine Bullen! Klar? Sonst ist es aus.“