Vitamine fürs Herz

Витамины для сердца

von  Phil Bosmans

 

 Bildung

Hass und Gewalttat wachsen, und die Zeitungen laufen

Über von Skandalen und Verbrechen, Gemeinheit, Bosheit; Lüge.

Und wir nennen uns Menschen mit Bildung, Kultur, Humanität.

Und wir nennen uns Christen.

Dienen, sich verzehren, sich opfern – das ist nicht unser Fall.

Wir erwärmen uns für Christentum mit Klimaanlage, mit seidenen Sessel und üppigen Tischen und mit klingenden Worten, die nach draußen glänzen: Tünche für unseren hochkultivierten Egoismus.

In den Elendsvierteln am Rande von Paris traf ich neulich einen flämischen Priester. Er sagte: „Die Geschichte kennt die Zeit der Helden und der Schwärmer, der Kämpfer und der Aufklärer. Heute erleben wir die Hochkonjunktur der Lüste: Geldgier und Sexualgier, Gewaltgier und Konsumgier.“

 

Die eine und die andere Art zu leben

Du machst den Führerschein.

Du liebst die Mode.

Du lernst Sprachen.

Du kennst dich in der Technik aus.

Du beschäftigst dich mit vielen Dingen.

Doch eines Tages sitzt du fest.

Alles hast du gelernt, nur nicht: leben.

Vorankommen, Karriere machen,

Geld verdienen, amüsieren, profitieren:

Das hat man dir beigebracht,

und vor allem viel haben.

Menschen sind wie Raubtiere

In einem Dschungel, der nirgends aufhört,

auf Jagd nach Besitz und Genuss,

nach „Brot und Spiel“.

Frei meinen sie zu sein,

und fest liegen sie an der Kette ihrer Gier.

 

Es gibt zweierlei Art zu leben:

Die eine beginnt mit Beherrschung des Ich,

und sie endet im Fest.

Die andere fängt mit Feiern an,

und ihr Ende heißt:

Kater, Kopfweh, Leiden am Leben,

Frustrationen und Neurosen aller Art.

 

Was reich macht und glücklich

Kannst du dich an einer Blume freuen,

an einem Lächeln, am Spiel eines Kindes,

dann bist du reicher und glücklicher

als ein Millionär, der alles hat,

was er sich nur träumen kann,

und der doch unbefriedigt bleibt

und an nichts mehr Freude hat,

weil er wie ein Paradegaul gegängelt wird

von den Strängen seines eigenen Reichtums.

Nicht Besitz macht reich, sondern Freude.

Liebe nicht mit der Goldwaage wiegen!

Nicht vorher ausrechnen, wie viel du geben sollst,

wie weit du gehen sollst mit deiner Liebe.

Lass deine Liebe ungezwungen sein.

Liebe, die man misst und wiegt,

ist keine Liebe, sondern Berechnung.

Mit solcher Liebe wirst du nicht glücklich.

Niemals wird es warm in deinem Innern.

Niemals hast du Lust, zu singen und zu springen.

Spontane Liebe ist etwas Phantastisches.

Spontane Liebe zu deinem Mann, zu deiner Frau,

zu deinen Kindern, zu Vater und Mutter,

zu einem einsamen Kind auf der Straße,

zu einem Menschen, der leidet,

zu einem, der abgelehnt wird.

Spontane Liebe ist eine Gabe,

die dich in den Himmel der Freude bringt.

 

Und was du brauchst, ist Liebe

Du suchst Bequemlichkeit, du suchst Entspannung in netter Atmosphäre. Und du beginnst zu kaufen und zu kaufen. Du kaufst alte Möbel und schwere Vorhänge und schöne Teppiche. Du suchst Behaglichkeit: eine Sitzecke, eine Essecke, eine Fernsehecke. Ein Druck auf den Knopf, und du hast alles, was du dir wünschen kannst.

Warum siehst du nicht glücklich aus? Warum lachst du so wenig und bist du so nervös? Warum lassen dich die ganzen Luxusdinge so unbefriedigt und so leer?

Weil sie tote Dinge sind. Sehr praktisch vielleicht und sehr bequem. Dinge, die du gebrauchen kannst, aber mit denen du niemals ein Gramm Liebe eintauschen kannst. Und was du brauchst, ist Liebe. Liebe kannst du aber nicht kaufen. Liebe, für die du bezahlst, ist keine Liebe mehr.

 

Arm sein

Du weißt nicht, was das ist.

Arm sein wie Millionen in den armen Ländern.

Du weißt nicht, was das ist.

Reiß dein  Haus ab und bau eine Hütte

Aus Blech, Eternit, Lehm oder Presspappe.

Ein Schlafzimmer gibt’s es nicht

Und ganz bestimmt  keine Hausbar.

Statt Sessel und Liegesofa Bretter und Kisten.

Dein Auto, deinen Fernseher,

dein Radio abschaffen.

Mach den Strom weg, das Telefon,

das Gas und die Wasserleitung.

Zeitung, Kühlschrank, Kühltruhe –

Auch das kommt weg.

Gute Kleidung gibt es nicht mehr.

Wenn du krank wirst, ist kein Arzt da,

keine Apotheke und kein Krankenhaus.

Wenn du so arm bist,

wirst du dann die lieben,

die alles im Überfluss haben

und nicht teilen wollen?

Du wirst lernen, die Reichen zu hassen.

Ich fürchte, das geschieht in vielen Ländern.

 

Vergiss die schönen Tage nicht

Wenn du müde bist,

wenn du mit der Umgebung Krach hast,

wenn du keinen Rat mehr weißt,

wenn du dich todunglücklich fühlst,

dann denke an die schönen Tage,

als du lachtest und tanztest,

als du zu jedem freundlich warst,

ohne Sorgen wie ein Kind.

Vergiss die schöne Tage nicht!

Denn wenn du sie vergisst,

kehren sie niemals wieder.

Fülle deinen Kopf mit  fröhlichen Gedanken,

dein Herz mit Versöhnlichkeit,

Güte, Freundlichkeit, Liebe

Und deinen Mund mit einem Lachen –

Und alles wird wieder gut.